Vorwort 113: „Armen gute Botschaft verkünden – ein Problem (Lk 4,18)“
Hier gibt es ein Problem, weil die Armen sich nicht als Arme sehen. Schau, was passiert: Ganz souverän liest der Herr in der Synagoge die Prophezeiung, laut und deutlich: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen, Blinden das Gesicht, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden und auszurufen das angenehme Jahr des Herrn.“
Stille. Die Worte wirkten. Alle bewunderten den Herrn damals wegen der wunderbaren Worte der Gnade aus seinem Mund. Auch wir schauen zu ihm auf und freuen uns über ihn. Was für einen barmherzigen Gott wir doch haben! Wir rühmen ihn, weil er sich um die Armen kümmert. Sie sind in Not und das Wort Gottes hilft ihnen heraus, es ändert das Leben von innen her.
Die Gefangenen sind ohne Hoffnung, aber unser Herr bringt ihnen die ersehnte Freiheit. Wer könnte einen Blinden heilen oder sogar jemanden, der von Geburt an blind ist? Stell dir vor: Es ist Frühling und ein Mensch ist blind! Er hat nie Farben oder den Sonnenuntergang gesehen. Der Herr Jesus öffnet die Augen. Er verwendet seine große Macht in Liebe, ganz behutsam, zum Wohl der Einzelnen. Er richtet die Zerschlagenen wieder auf und rüstet sie aus, dass sie in die Freiheit ziehen können.
Ja, wir haben einen wunderbaren Herrn. Begeistert beten wir ihn an. Wir staunen über ihn. Immer wieder neu hören wir die großen Worte der Gnade.
Aber wo soll hier ein Problem liegen? Es liegt in den Worten: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt“ (Lk 4,21). Das war schwer zu schlucken.
Siehst du jetzt das Problem?
Die Hörer damals wollten nicht akzeptieren, dass der Herr Jesus der versprochene Retter ist. Wir aber wissen das und wir schauen voller Mitleid auf sie (herab?), weil sie den Retter nicht erkennen konnten. Sie sahen den Retter nicht, weil sie ihre Not nicht sahen. Die Hörer waren ja nach den Worten des Herrn diejenigen, die arm waren, gefangen, blind und zerschlagen. Der Herr redete von ihnen. Aber so sahen sie sich selbst nicht, nicht so bedürftig, nicht so abhängig.
Nun eine persönliche Frage: Siehst du dich als arm? Als total abhängig vom Herrn? Zeigt dein Verhalten, dass du dich als blind siehst und dass du deshalb völlig auf seine Wegweisung achtest? Zeigt dein Leben, dass du den Anweisungen des Retters genau folgst, weil das deine einzige Chance ist, die Freiheit zu erlangen? Zeigt deine Einstellung, dass du den Herrn als weise siehst und nicht dich selbst, indem du seine Einstellung und Sicht der Dinge akzeptierst und annimmst?
Der Herr zeigte seinen Hörern damals: Ihr müsst eure Not einsehen und zugeben, dass ihr total von mir abhängig, total auf mich angewiesen seid. Ihr müsst verstehen, dass ihr die Armen seid, denen das Wort Gottes verkündet wird, die Blinden, die Gefangenen. Ihr müsst einsehen, dass ihr völlig auf Gnade und Hilfe angewiesen seid, so wie der Aussätzige oder die Witwe. Die beiden vertrauten dem Herrn völlig. Ganz anders reagierten die Hörer in Nazareth. Sie wurden von Wut erfüllt und wollten ihn mundtot machen.
Wie wirst du reagieren?