Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 127: „Ein ungewöhnlicher Gehorsam“

von Lindner Andreas

Die Frau schleuderte mir ärgerlich die Worte an den Kopf: „Kinder zum Gehorsam erziehen? Gehorsam ist was für Hunde, aber doch nicht für Kinder!“

Es gibt Vorurteile gegen Gehorsam bei unseren Bekannten und wir sind wahrscheinlich auch davon beeinflusst. Natürlich beugt man sich und gehorcht, wenn der Chef oder der Staat etwas verlangt. Denn sonst verliert man die Stelle oder wird bestraft. Aber wenn niemand zuschaut, macht man eben, was man will. Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Man darf sich nur nicht erwischen lassen. Das ist die verbreitete Ansicht.

Deswegen überrascht mich der ungewöhnliche Gehorsam der Gläubigen: „Wandelt nun würdig des Evangeliums des Christus, … sei es dass ich komme und euch sehe, oder abwesend bin und von euch höre …“ (Phil 1,27). Paulus geht davon aus, dass die Geschwister sich richtig verhalten werden, egal ob er dort ist oder nicht. Wie kommt er nur darauf, dass die Philipper gehorsam sein werden, auch wenn er sie gar nicht beaufsichtigt? Ist das nicht naiv von Paulus?

Nein, denn er hat gehört, wie sie leben; er schreibt: „Daher, meine Geliebten, gleichwie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit…“ (Phil 2,12).

Das ist wirklich erstaunlich. Mir ist klar, dass die Philipper gehorsam waren, als Paulus dort war. Aber sie bemühten sich jetzt viel mehr, als er abwesend war! Aber warum? Was hat sie motiviert? Vielleicht war es das Vorbild des Herrn Jesus, der gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8)?

Ja, dieser Gehorsam ist so ungewöhnlich, dass es schwer ist, darüber hinwegzulesen. Man bleibt daran hängen, denkt darüber nach, wundert sich und entscheidet sich: Ich will auch so leben.

Die Philipper hatten keinen äußeren Zwang, durch den sie zum Gehorsam gebracht wurden, sondern einen inneren Drang.

Im evangelistischen Bibelkreis stellte ich die Frage: „Wie zwingt uns der Herr Jesus, dass wir an ihn glauben?“ Die meisten Gäste antworteten sofort: „Der Herr Jesus zwingt uns gar nicht.“ Sie haben recht: Der Herr zwingt uns nicht, sondern er lädt uns ein ihm zu folgen und ihm zu gehorchen. Die Philipper wussten nicht nur, dass dies das Beste ist, sondern sie gehorchten wirklich, auch als Paulus abwesend war. Wie ungewöhnlich! Aber das sollten wir uns angewöhnen.

Hier mein Vorschlag: Gewöhne dir an, dem Herrn zu gehorchen, egal ob jemand zuschaut!