Vorwort 85: „Das ist ja beunruhigend!“ (Mt 11,25-12,8)
„Unsere Vorstellungen über Bord werfen? Unser Vorgehen grundlegend ändern? Nein, niemals!“ Was wir denken und was wir tun ist immerhin auf Gottes Wort gegründet (meinen wir). Das sollten wir doch nicht einfach ändern. Oder doch? Diese Vorstellung ist ja beunruhigend!
Der Herr hatte den Sabbat eingeführt, einen Tag der Ruhe. Was für ein Geschenk! Sein Volk konnte einen Tag damit verbringen über den Herrn zu reden, nach ihm zu forschen und Gemeinschaft mit ihm und anderen zu haben. Der Sohn des Menschen wird „Herr des Sabbats“ genannt (Mt 12,8). Im Lauf der Zeit hatten die Menschen, die den Herrn ernst nahmen, eigene Vorstellungen davon entwickelt, wie dieser Tag zu verbringen ist.
Daran hielten sie sich peinlichst genau. Sowohl ihre Ideen als auch ihr Verhalten hatten sich aber ganz schön weit von dem entfernt, was der Herr dachte (Mt 12,1-7). Die Jünger des Herrn verwendeten andere Methoden als sie und verhielten sich anders als diese ernsthaften Menschen es gewohnt waren (Mt 12,1.2). Dafür wurden die Jünger kritisiert, und sogar der Herr Jesus wurde deswegen angegriffen. Der Herr verteidigt seine Jünger, und macht den ernsthaften Menschen klar: Ihr müsst eure Vorstellungen und Methoden ändern.
Auch uns kann das so gehen. Wir haben aus Gottes Wort gelernt und es ist uns wichtig. Daraus entwickeln wir Ideen, eine Lebenseinstellung, Ansichten, Vorgehensweisen und Methoden im Dienst für den Herrn. Wir finden Ruhe und Sicherheit in dem Gedanken, dass wir die richtige Einstellung haben und uns richtig verhalten. Andere Menschen, die andere Methoden verwenden, verhalten sich falsch.
Aber es kann sein, dass manche unserer eigenen Ideen und Methoden dem Wort Gottes widersprechen. Das würde unsere Welt auf den Kopf stellen. Die Ahnung davon kann uns die Ruhe rauben. Das kann verhindern, dass wir uns vom Herrn etwas sagen lassen.
Allein der Gedanke, dass wir vielleicht etwas ändern sollten, ist schon beunruhigend. Wo können wir Ruhe und Sicherheit finden, wenn sich Dinge ändern, die uns wertvoll geworden sind? Vielleicht müssen wir die Frage anders stellen: „Bei wem können wir Ruhe finden?“ „Kommt her zu mir, … ich werde euch Ruhe geben. … ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11,28.29).
Der Herr will sich uns offenbaren und uns lehren (Mt 11, 25.29). Wenn wir uns mit ihm beschäftigen, sollten wir zum Herrn sagen: „Herr, wenn irgendetwas in meinen Gedanken falsch ist, so bin ich bereit es zu ändern. Wenn irgendeine Gewohnheit von mir falsch ist, so bin ich bereit sie zu ändern. Wenn ich irgendwelche Methoden verwende, die nicht zu deiner Ehre sind oder nicht angebracht für die Verbreitung deines Wortes, so bin ich bereit sie zu ändern.“
Wir sollten also bereit sein unsere Einstellung und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir denken, dass es auf Gottes Wort gegründet ist. Wir könnten uns nämlich täuschen. Solche Veränderungen sollten uns nicht beunruhigen. In unseren festgefahrenen Meinungen oder Methoden liegt keine echte Ruhe. Wir können Ruhe finden in der Gegenwart des Herrn.
Andreas Lindner