Vorwort 96: „Schreibe! – Bewahre!“
Das war der Auftrag des Herrn an Johannes: „Schreibe, was du gesehen hast, was ist und was nach diesem geschehen wird“ (Offb 1,19). Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir eine heilige Schrift haben. Darin geht es um Fakten, um Tatsachen, die Johannes gesehen hat. Es geht nicht um undeutliche Träume und Visionen und auch nicht um Meinungen oder Einschätzungen, die sich ändern können. Und diese Fakten werden uns von Gott mitgeteilt. Wie dankbar können wir dafür sein!
Außerdem erfahren wir „was ist“ und wie Gott das sieht. Gott, der Herr, gibt uns seine Beurteilung der Lage bekannt. Er gibt uns Einblick in seine Beurteilung der Situation, zeigt uns, was ihm wichtig ist, was er lobt und tadelt. Wie wunderbar ist es doch, dass wir Gottes Einschätzung lesen können. Er ist der höchste Richter, der uns liebt und uns sein Herz öffnet.
Dann teilt der Herr uns mit, was in der Zukunft passieren wird, „was nach diesem geschehen wird“. Wer kann schon wissen, was nächstes Jahr passieren wird? Oder wie es in 2000 Jahren aussehen wird? Der Herr weiß es genau und lässt es für uns aufschreiben, damit wir nicht im Unklaren darüber sind.
Natürlich erfahren wir nicht alles über die Zukunft, nur das, was wir wissen müssen, damit wir uns nicht zu viel Sorgen machen, nur das, was wir tragen können. „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Joh 16,12). Wer weiß, ob ich es aushalten würde, wenn ich wüsste, was noch Schlimmes auf mich oder auf meine Kinder zukommt! Aber wenn ich über das nachdenke, was ich tragen kann und was nicht, denke ich nicht nur an Leid, das uns noch widerfahren könnte, sondern an den Herrn und an die Herrlichkeit. Die Zukunft bringt für uns ja nicht nur Schwierigkeiten sondern wunderbare Gemeinschaft mit dem Herrn im Himmel. Uns erwartet „ein über die Maßen überschwängliches, ewiges Gewicht an Herrlichkeit“. Das ist zwar schlechtes Deutsch, aber eine gute Zukunftsaussicht! Leider konnte der Herr den Hebräern wenig über sich mitteilen, weil sie noch nicht dazu in der Lage waren, es zu verstehen (Hebr 5,12).
Ich wäre schon neugierig mehr zu wissen. Aber die Offenbarung ist nicht dazu da um meine Neugier zu stillen, sondern damit ich mich danach richte. Der Herr offenbart seinen Knechten seine Gedanken und die Zukunft (Offb 1,1). Dieses Buch ist an Leute geschrieben, die sich daran halten wollen, nicht an die Neugierigen, sondern an die, die gehorchen wollen. Deswegen sagt man: „Gehorsam öffnet die Augen um mehr zu verstehen“ (siehe Joh 7,17). Die Heilige Schrift ist dazu da um sie zu lesen und zu bewahren (Offb 1,3). Bewahren bedeutet, dass man die Ansichten des Herrn übernimmt, sich seine Ermutigung merkt, seine Ziele verfolgt und seinen Geboten gehorcht. Auf dem Bewahren liegt der Segen. Die das tun, werden vom Herrn glückselig genannt. Es steht geschrieben. Aber es ist nicht genug, Gottes Wort zu haben. Lasst uns das Wort lesen und bewahren!
Andreas Lindner